Dienstag, 23. September 2014

Résumé


Die Strecke durch Österreich, Kroatien und teilweise Ungarn darf als Veloweg  bezeichnet werden. Die Strecke durch Serbien, Bulgarien und Rumänien verläuft auf normalen Strassen, teils mit starkem Lastwagenverkehr. Auf der von mir befahrenen Strecken in Bulgarien und  mir Rumänien wird es monoton. Keine kulturellen Anreize, dafür viel Armut.

 

Überall traf ich freundliche, hilfsbereite Menschen. Oft kam es vor, dass ich angesprochen wurde als ich meine Karten studierte. Auch trotz sprachlichen Hürden wurde immer eine Lösung gefunden. Dass in Bratislava niemand Deutsch sprechen konnte, erstaunte mich, liegt es doch nur 20 km von der österreichischen Grenze. Junge Menschen in allen Ländern bemühen sich Englisch zu sprechen. Auf meine Standardfrage, wo sie denn so gut Englisch gelernt hätten, erhielt ich oft die Antwort, dass dies aufgrund der Englisch sprachigen Filme und – vor allem – aufgrund von Video Games sei. Oft konnte ich in Kroatien, Serbien und Bulgarien mit älteren Menschen deutsch sprechen, die einen Teil ihres Lebens in Deutschland oder Österreich verbracht hatten. In Rumänien war es dann eher italienisch.

 

Restaurants habe ich in Bulgarien und Rumänien suchen müssen. Es hat überall Cafés, aber etwas zu essen ist in diesen Lokalen nicht möglich. Je ärmer die Gegend, je öfter sind bereits um 10 Uhr Männer beim Bier Trinken, nicht nur Alte. Vermutlich liegt es an der Hoffnungslosigkeit dieser Menschen. Die Qualität der Hotels nimmt mit zunehmender Strecke ab. Eine Beobachtung die ich machte: Die Leintücher sind überall zu kurz. Unten reicht es, um sie unter die Matratze zu ziehen. Oben am Bett jedoch bestenfalls bis zum oberen Matratzenende.

 

Trotz meinen kritischen Zeilen war es eine sehr schöne Reise, die ich keinesfalls missen möchte. 

Ich war ein Tourist auf der Fahrt durch eine mir unbekannte Welt! Durch eine Welt die durch die Geschichte in einem anderen Mass geprägt wurde, als meine Heimat, die Schweiz.  Spuren des K&K Österreichisch-Ungarischen Reiches sind omnipräsent. In Teilen der bereisten Länder ist aber auch die Vergangenheit unter Osmanischer Herrschaft unübersehbar.  

Die zweieinhalb Wochen waren für mich ein Eintauchen in die Geschichte. Interessant, einen kleinen Einblick in die Folgen des Ersten, des Zweiten Weltkrieges und der Jugoslawienkriege zu erhalten. Und die damit verbundenen Konsequenzen für Ethnien, für die Aufteilung der Länder und die wirtschaftlichen Belange zu erkennen, vor Ort zu sein und mit Menschen darüber zu sprechen. Vielleicht bietet sich mir die Möglichkeit, dadurch Situationen in der Gegenwart und der Zukunft besser zu verstehen.

 

Nachfolgende Zahlen veranschaulichen den wirtschaftlichen Stand der Länder:

 

Land
Brutto Sozial Produkt
 Einwohner
Schweiz
 76‘380$
  8 Mio
Österreich
 48‘300$
  8.4 Mio
Ungarn
 12‘730$
10 Mio
Slowakei
 16‘070$
  5.5 Mio
Kroatien
 13‘850$
  4.4 Mio
Serbien
   5‘680$                                                
  7.3 Mio
Bulgarien
   6‘550$
  7.5 Mio
Rumänien
   7‘910$
21.4 Mio

 

Es erstaunt deshalb nicht, wenn ein  junger Serbe mir sagt, dass er mit umgerechnet € 300 gut überleben könne. In den Ballungszentren sind Industriebauten zu sehen. Ausserhalb dieser Zentren fehlen meist KMU Firmen. Das Kleinhandwerk dominiert. Es wird interessant sein zu sehen wie sich diese  Länder, die – mit Ausnahme Serbiens – seit 2004/2007 und Kroatien 2014 Mitglied der EU sind, weiterentwickeln.

Montag, 22. September 2014

Giurgiu - Gümligen




Beim Frühstück hätte ich nie gedacht, dass ich heute in meinem Bett in Gümligen schlafen würde! Aber nun der Reihe nach:
Gestern Abend hatte ich den Entscheid gefällt, die restlichen 280 km nach Konstanza nicht mit dem Velo, sondern mit dem Zug oder dem Bus zurück zu legen. Dieser Entscheid lässt sich nicht einfach auf die gestern erwähnte schlechte Moral zurückführen, obwohl die leeren Batterien aufgrund von 12 Tagen ohne Ruhetag mit jeweils 90 km pro Tag im Durchschnitt vermutlich entscheidend waren. Die zunehmenden Probleme eine (meinen Anforderungen entsprechende) Logis zu finden, die Monotonie der Landschaft und die fehlenden kulturellen Anreize waren ebenfalls wichtige Gründe für meinen Entscheid. Abschliessend anzufügen ist die Wetterlage, die für Sonntag und Montag in den zu durchquerenden Gegenden Niederschläge voraussagten.
Am Busbahnhof von Giurgiu erhalte ich dann den Bescheid, dass mein Velo nicht transportiert würde. Ein Zug fährt erst um 11.45 Uhr und benötigt mehrere Stunden für die Strecke von 80km. Auf der anderen Strassenseite stehen Taxis. Wir werden handelseinig und um 09.50 Uhr geht die Fahrt mit dem Ziel Bukarest, Gara Nord los. Kaum losgefahren fängt es an zu regnen. Nun habe ich aber endgültig die Nase voll, sind doch die Prognosen für die erste Wochenhälfte im Donaudelta ebenfalls schlecht. Ich bitte Christine via Whatsapp abzuklären, ob ein Flug in die Schweiz heute möglich wäre, was sie doch sehr erstaunt. Nach einigem hin und her steht mein Plan fest: Mit LOT über Warschau. Abflug 14.50 Uhr, Ankunft in Zürich um 19.00 Uhr.
Noch einmal ein Handel mit dem Taxifahrer, da der Flughafen rund 30km nördlich von Bukarest liegt und schon sind wir dort. Reservation, Velo einpacken, 


Ticket bezahlen. Die Zeit vergeht schnell. 


Im Flugzeug lese ich "Der Fremde" von Camus fertig und schon sind wir in Zürich. Velo zusammen setzen, Abfahrt im übervollen Zug um 20.13 Uhr nach Bern. Um 22 Uhr bin ich in Gümligen!
 
Olivier, Stefanie und Fabrice haben heute Christine nach Dornbirn in die Wellnessoase/Gesundheits Zentrum Rickatschwende, wo sich eine Woche verwöhnt wird. Die Einen gehen, die Anderen kommen!
 
Ich werde morgen meinen Blog mit der Zusammenfassung meiner Erfahrungen abschliessen.

 
 
 

Samstag, 20. September 2014

Turnu Magurele - Giurgiu

Die heutige Etappe führt mich in eine noch ländlichere Gegend, wo in den Dörfern die Zahl der Esel- und Pferdefuhrwerke diejenige der Autos übertrifft und die Gänse und Truthähne den Ton angeben.

Trotz der Armut sind viele Häuser, im traditionellen Baustil, gepflegt.


Das Leben hier scheint mir monoton wie die Landschaft. Der Mais wird noch von Hand geerntet.  

Für ein Schwatz ist immer Zeit.


Meine Moral ist heute schlecht! Nicht wegen den 120km die ich in Giurgiu auf dem Tacho habe, sondern weil ich festgestellt habe dass sich vor Konstanza ein Übernachtungsproblen ergeben wird und weil meine Batterien nicht mehr so voll sind und die Nacht jeweils nicht mehr zum laden ausreicht. Dazu kommt die monotone Landschaft.


Freitag, 19. September 2014

Oryahovo - Turnu Magurela

Christine hat mir gestern einen "Bonus" für meine Strapazen angeboten: Die Seite wechseln und auf der rumänischen Seite eine Nacht in einem 4* Hotel zu verbringen. Sehr dankbar nehme ich an. Christine reserviert und ich nehme heute Morgen die Fähre nach Bechet.


Bei der Fahrt durch die Dörfer ist auffallend in welch gutem Zustand die Häuser im Allgemeinen sind. Kaum ein Haus ist verlassen. Auch die Ordnung um die Häuser herum ist besser. Zahlreich die Gemüsegärten vor den Häusern und Blumen. Die Menschen grüssen, winken und Autofahrer hupen zum Gruss. Kurz: mehr Lebensfreude. Kein Vergleich zu Bulgarien.



Den vier Jungen, eine Spanierin und drei Slovaken, begegne ich bereits das dritte Mal. Wir reisen heute gemeinsam bis Izlaz, wo ich zum besagten Hotel abbiege. Dort stellt sich heraus dass heute Abend eine Riesenparty mit lauter Musik stattfinden wird, so dass von einer ruhigen Nacht nur zu träumen ist. Die nette "Ownerin" zeigt volles Verständnis, entschuldigt sich dass sie gestern Christine nichts davon gesagt hat und schlägt mir vor, mich mit dem Auto zum 25km entfernten Turnu Magurela zu fahren. Dankend nehme ich an. Nun bin ich in einem "Kasten" aus kommunistischer Zeit, der dringend eine Renovation nötig hat.
Morgen steht ein 115km Tag an, 27 grad sind angesagt.


Die ortodoxe Kathedrale dieser 20'000 Seelen Stadt.



Das Hotel Touris




Donnerstag, 18. September 2014

Lom- Oryahovo

Ein leichter Nebel liegt noch über der Donau als ich zum Frühstück gehe.


Ich fahre durch die lange Fussgängerzone und bin erstaunt wieviele Menschen bereits unterwegs sind. Mit Vielen meine ich im Verhältnis zur Grösse des Dorfes/Stadt. Das Angebot ist bescheiden und Bananen nicht im Programm!


Es wird zur Gewohnheit am Morgen mit einem kräftigen Aufstieg zu starten. Heute auf Kopfstein Pflaster.
Die Weite beeindruckt mich auch heute. Ich fahre vorbei am einzigen AKW Bulgariens, das seit einer Störung 2003 nur noch zu 40% in Betrieb ist.  Weiter durch das Hinterland.  Ich sehe die braune Donau aus der Ferne





Die letzten 8 km bin ich dann wieder direkt neben dem Strom. 



Zahlreiche alte aufgebockte Eisenbahnwagen stehen an der Strasse. Die Verwendung ist nicht klar aber ich vermute dass während der Sommermonate hier die Post abgeht! Den letzten Kilometer schiebe ich mein Velo. Es ist sehr steil und ich werde bestraft dass ich am Mittag nichts Rechtes gegessen habe!

Je länger die Reise, je einfacher die (sog.) Hotels. Ein Trost: früher dienten die Räume als Zentrale der lokalen kommunistische Partei!














Q

Zajecar - Lom

Nochmals ein Kompliment an die tollste Hotel Crew bis jetzt. Hotel Hamburg in Zajecvac:

Diese serbische Stadt mit 40'000 Einwohner hat optisch nicht viel zu bieten. Trotzdem einige Aufnahmen:




Das Hotel Hamburg.

Ein Tag ohne Regen! Die Reise beginnt mit einem Aufstieg zum Grenzübergang Vrashka Chuka. Die serbische Grenzbeamtin nimmt es ganz genau. Der Bulgarische, den ich zuerst finden muss, ist mehr an meinem Velo als an mir interessiert und zeigte mir auf seinem Smartphone Fotos von seinem Stahlesel.


Nun bin ich also im 6. Land, Bulgarien. In Kula, dem ersten Dorf trinke ich bei einer alten Wirtin einen Espresso (übrigens überall sehr gute Qualität). Ein tiptopes Beizli. Der erste Eindruck ist also positiv!
Was folgt: Leere Dörfer, kaputte Häuser, endlose Sonnenblumen Felder, Eichenwälder und Abfall der überall schön verteilt ist. Im Gespräch vor seinem schönen Haus erfahre ich von einem pensionierten Bauingenieur dass die Landflucht ein grosses Problem darstellt. Übrigens: Seit 1948 ist die Einwohnerzahl  Bulgariens rückläufig! 
Schnell erreiche ich Vidin, wo ich in einem Boulevard Cafe eine Suppe und Crêpes esse. ( es ist das erste Mal dass ich in einem Restaurant Mittag esse). Ich versuche in zwei Wechselstuben das restliche serbische Geld zu wechseln. Wechseln ja, aber doch nicht serbische Noten! Übrigens erfolgt die Angabe des Zimmerpreises sei Kroatien immer in €.
Die Strecke wird hügeliger. Unterwegs fahre ich in ein Tal, um ein Kloster zu besichtigen. Die Zusatzschlaufe von 8km hätte ich mir sparen können...


Um 18.30, es dunkelt bereits, komme ich in Lom an und beziehe erstmals auf dieser Reise eine Junior Suite (!) für CHF 35. Ob der Zmorge inkl. sein wird, werde ich morgen erfahren. Im Restaurant daneben esse ich prima Znacht: 2 Bier, Pouletspiessli, Pommes, Tomatensalat (unglaublich gute Tomaten überall), Schoggi-Crêpes und Espresso für CHF 7.-. Der Kaffee kostet  CHF -.30.
Apropos Bier: 

Almus Bier wird hier gebraut. Im Zimmer sagt mir mein Iphone dass in Bulgarien die Uhren eine Stunde vorgehen!




Dienstag, 16. September 2014

Donji Milanovac - Zajecar


Nach der gestrigen Sintflut folgt heute der Dauerregen! Die Fluten haben gestern eine Brücke weggeschemmt. Und dies ein Tag vor meiner Duchfahrt: Sabotage! Im Hotel wird mir empfohlen 100 Km zurückzufahren und den Weg über Rumänien einzuschlagen. Ich lehne diesen Vorschlag dankend ab. Meine Christine schlägt mir eine Route nach Süden vor. Da ich nicht über dieses Kartenmaterial verfüge, hilft mir der Hotel Direktor und bestätigt Christines Vorschlag. Ich lade die entsprechende "Off map" herunter. (Übrigends eine Super Sache und grosse Hilfe). Auf dem Weg ins Tal treffe ich die 4 Jungen, die ich auf der Fähre kennenlernte:

Die Talsohle ist ein reissender Fluss und nur einige Tomatenstangen lassen den Schaden erahnen. Ab Kilometer 28 geht es bergauf (davon hat der Direktor nichts gesagt!). Auf 420 MüM und nach 11Km ist die "Passhöhe" erreicht und ich bin von Innen und Aussen bachnass. Bevor es bergab geht, schliesse ich sämtliche  Öffnungen (wott ja kein Pfnüsel).
Das Gemeine kommt aber erst noch: ein giftiger Anstieg 20 Km vor dem Ziel. Velo, Mann und Gepäck sehen aus wie nach einer Schlammschlacht. Am Ziel, im Hotel Hamburg, erlebe ich die freundlichste Crew der bisherigen Reise.

View from my room!

I
Mein Zvieri im Irish Pub und 



mein Znacht ebenfalls im Pub. Dazu ertönt im Lokal Musik von Radio Swiss Pop (Büne Hueber in Serbien: ich glaub ich spinne!)

Das tröstet mich ein wenig darüber hinweg, dass ich einen der Höhepunkte der Reise, das Eiserne Tor, umfahren musste.

Mein Schatz ist heute aus der Reha nach Hause zurückgekehrt und hat mir nachfolgende Aufnahme unseres Gartens geschickt:




Wenn das nicht Flügel verleiht!


Montag, 15. September 2014

Veliko Gradiste - Donji Milanovac


Ein Tag zum vergessen! Beim Frühstück fängt es an. Das einzige was stört bin ich!  Scrambled eggs = Omelette gefüllt mit Fett vom Speck.
Dann aber das Unwetter. Was mit einem normalen Regen beginnt entwickelt sich rasch. Zuerst grosse Pfützen, dann Bäche die mitsamt dem Dreck über die Strasse fliessen. Dann wird es noch besser: die Strasse ist unter Wasser. Einmal bis zu den Pedalen. Dann liegt ein Baum auf der Strasse und immer öfter auch Steine und Fussball grosse Felsstücke. Ein Bus überholt mich und muss 100m weiter wegen Geröll halten. Ich hole ihn ein und mache ihm Zeichen. Er erbarmt sich meiner. Passagiere helfen mein Velo an Bord zu hiefen. Diese nach 55 km Dauerregen. Die Fahrt dauert ca 15 Minuten, bis wir in Donji Milanovac ankommen, wo ich das Hotel beziehe. Es regnet weiter und ich erhalte die Information dass die weiterführende Strasse gesperrt sei! Nun bin ich gespannt wie die Situation morgen aussehen wird.





Golubac, eigentlich ein Höhepunkt der Reise! Durch die Römer im 1. Jh erbaut und durch die Türken erweitert.

Im Bus spreche ich mit Milan, einem 25 jährigen. Mit €300 kann eine Einzelperson in Serbien leben.


Sonntag, 14. September 2014

Belgrad - Veliko Gradiste



Der Tag beginnt mit einem Plätschern, das mich das Schlimmste ahnen lässt! Fehlalarm, es ist der Springbrunnen, der um 06 Uhr in Betrieb genommen wird. Beim nochmaligen prüfen der Tagestour stelle ich fest, dass ich 25km zu wenig gerechnet habe. Das kann ja lustig werden. Ich verlasse Belgrad bei Nebel was mein Eindruck über diese Stadt nicht verbessert. In Pancevo, einer Industrie Stadt ist ein Komplex mit McD' und H&M entstanden. Ganz neu. Doch die Menschenmenge ist auf der anderen Strassenseite.

Auf eine Länge von einem Kilometer findet der Sonntag-Flohmarkt statt. Was hier zum Verkauf angeboten wird ist kaum fassbar und wiederspiegelt die Not eines Teils der Bevölkerung. Die riesige Menschenmenge macht mir das Weiterkommen schwer. 
Am Mittag treffe ich Alain aus Montreux. Er ist 63 jährig und fährt seit dem Tod seiner Frau vor 10 Jahren jährlich 6'000 - 8'000km durch ganz Europa! Unser bescheidenes Mittagessen: eine Suppe und einem Getränk: CHF 5 für beide!!
Um die 16 Uhr Fähre in Stara Palanka nicht zu verpassen, muss ich Gas geben. Somit trennen sich unsere Wege.







Die Donau ist hier eindrücklich breit.
Auf der anderen Seite fahre ich durch das Dorf Zatonje und wähne mich in einer anderen Welt: keine armseligen Bauernhäuser sondern schöne Häuser mit gepflegten Gärten. Ob dies aufgrund des Tourismus ist? Die Lösung liefert mir später der Servicemitarbeiter im Restaurant. In Ost Serbien arbeitet ein Grossteil der Menschen in Westeuropa und können sich mit dem Ersparten Häuser in der Heimat leisten. Die letzten 10 der heute 130km absolviere ich im strömenden Regen. Die Fischsuppe und der Wels vom Grill sind ausgezeichnet und entschädigen mich für die heutigen Strapazen.




Samstag, 13. September 2014

Novi Sad - Belgrad


Ein regnerischer und dreckiger Samstag! Erstmals eine Steigung über mehrere Kilometer. Ich fahre bei Regen durch eine Obstgegend. Letzte Nacht muss es hier sehr stark geregnet haben: Teils ist die Strasse überzogen von einem lehmigen Film sandiger Erde aus den Feldern. Nun bin ich wirklich in Serbien:

Ortstafelm in kyrillischer Schrift!


Bin ich froh, fahre ich "nur" zum Schwarzen Meer!
Heute bin ich zwei serbischen Hochzeiten begegnet und weiss: Eine grosse serbische Fahne gehört auf jeden Fall dazu!



Zemun Altstadt 10 km vor Belgrad.
Belgrad lebt! Die grosszügige Fussgängerzone ist voll von Menschen. Mit 25 Grad die richtige Temperatur für ein  Glacé an einem der über 10 Verkaufsständen.
"Mein" Hotel, das Yugoslavija aus Zeiten Titos.




Ich bin wohl hier, overlooking die Donau









Freitag, 12. September 2014

Vukovar - Novi Sad

Vukovar wird mir als bizarre Stadt in Erinnerung bleiben: noch immer zerschossene Fassaden, (in den Vororten hat es kaum ein altes Haus, inklusive Kirchen, die keine Schusslöcher haben), unschöne Neubauten und Lücken in den Häuserreihen.

Das weitherum bekannte Mahnmal: Der zerschossene Wasserturm
 

Heute fahre ich ins 5. Land: Serbien
 Wenn meine Quelle stimmt dann ist das BSP  in diesem Land rund die Hälfte derjenigen von Kroatien und Ungarn. Klar weshalb hier viele Autos noch fahren, die bei uns schon lange verschrottet wären.
Die Donau ist hier bereits über 500 m breit. Backa Palanke, die erste Kleinstadt an der Grenze ist für mich 3. Welt! Der Markt ist ärmlich, so auch die Menschen. Schnell habe ich genug und ziehe weiter. Das Wetter ist freundlich bei 20 Grad und ich komme schnell vorwärts. 


Die Donau führt viel Wasser. Ganze Wälder stehen im Nass.



Vorbei an zahlreichen, stinkenden Tierkadavern treffe ich bereits um 13.30 in Novi Sad ein, wo ich im Art Boutique Hotel ein Zimmer beziehe. Für CHF 45 inkl. Frühstück!

Auch Novi Sad hat einmal zu Ungarn gehört und die Bevölkerung war hauptsächlich ungarisch (Ich empfehle "Ungarn 2. Wltkrieg" in Google einzugeben und den Wikipedia Beitrag zu lesen). Geschichte wiederholt sich leider.
Heute leben hier praktisch keine Ungaren mehr.



Mit dem Velo ist die Stadtbesichtigung eine Freude. Schnell ist man überall. Ich sitze im Terrassen Restaurant auf der Festung, bin inmitten Einheimischer und geniesse die prächtige Sicht auf die erste Grossstadt seit Budapest




Morgen ist Belgrad mein Ziel.

Donnerstag, 11. September 2014

Mohacs - Vukovar


Heute gelange ich via Osijek nach Vukovar. Beide Namen sind aufgrund des schrecklichen Balkankrieges bekannt. So auch mein morgiges Ziel: Novi Sad. Wie Menschen doch zu Bestien werden können!
15 km nach Mohacs überquere ich die ungarisch-kroatische Grenze. Das ganze südliche Donau Ufer war bis zum  Krieg vorwiegend von Ungaren und Deutsch stämmigen bewohnt. 
Auch die Paprika Herstellung erfolgt nicht nur in Ungarn:



1722 wurde zu Ehren Eugens von Savoyen, der die Türken besiegte, diese Kirche errichtet. Sie steht im freien Land und ist leer.


Während vielen Kilometern umfahre ich ein riesiges Wassergebiet: den Zufluss der Drau (Drava). Es muss ein eindrückliches Naturschutzgebiet sein.
In Zmajevac treffe ich einen Mann der seit 30 Jahren in St. Gallen lebt und kommendes Wochenende die Hochzeit seines Sohnes (der auch in der Schweiz lebt) hier vorbereitet. Von ihm erfahre ich einiges über die Ethnien der Region und über die Zeit der 8-jährigen Besetzung durch die Serben. 
In Lug erfahre ich vom Paprika Produzenten, dass das Dorf einst das Schönste weit und breit war. Eindrücklich viele Fassaden aus der Zeit zwischen 1896 und 1924 zeugen davon. Leider sind fast alle in einem desolaten Zustand. Seit dem Balkankrieg sind viele weggezogen und heute zieht es die Jungen in die Städte. 





Aufgrund eines Kongresses finde ich nach 118 km nur noch eine Besenkammer in Vukovar. Aber auch das gehört zu meinen Erfahrungen. Mit dem Wetter hatte ich Riesenglück: kaum Niederschlag. Nachdem ich nach dem Abendessen in meine Behausung zurückgekehrt bin geht ein Gewitter über Vukovar nieder. Die Aussichten sind nicht rosig!