Die Strecke durch Österreich,
Kroatien und teilweise Ungarn darf als Veloweg bezeichnet werden. Die Strecke durch Serbien,
Bulgarien und Rumänien verläuft auf normalen Strassen, teils mit starkem
Lastwagenverkehr. Auf der von mir befahrenen Strecken in Bulgarien und mir Rumänien wird es monoton. Keine
kulturellen Anreize, dafür viel Armut.
Überall traf ich freundliche,
hilfsbereite Menschen. Oft kam es vor, dass ich angesprochen wurde als ich
meine Karten studierte. Auch trotz sprachlichen Hürden wurde immer eine Lösung
gefunden. Dass in Bratislava niemand Deutsch sprechen konnte, erstaunte mich,
liegt es doch nur 20 km von der österreichischen Grenze. Junge Menschen in
allen Ländern bemühen sich Englisch zu sprechen. Auf meine Standardfrage, wo
sie denn so gut Englisch gelernt hätten, erhielt ich oft die Antwort, dass dies
aufgrund der Englisch sprachigen Filme und – vor allem – aufgrund von Video
Games sei. Oft konnte ich in Kroatien, Serbien und Bulgarien mit älteren
Menschen deutsch sprechen, die einen Teil ihres Lebens in Deutschland oder
Österreich verbracht hatten. In Rumänien war es dann eher italienisch.
Restaurants habe ich in Bulgarien
und Rumänien suchen müssen. Es hat überall Cafés, aber etwas zu essen ist in
diesen Lokalen nicht möglich. Je ärmer die Gegend, je öfter sind bereits um 10
Uhr Männer beim Bier Trinken, nicht nur Alte. Vermutlich liegt es an der
Hoffnungslosigkeit dieser Menschen. Die Qualität der Hotels nimmt mit
zunehmender Strecke ab. Eine Beobachtung die ich machte: Die Leintücher sind
überall zu kurz. Unten reicht es, um sie unter die Matratze zu ziehen. Oben am
Bett jedoch bestenfalls bis zum oberen Matratzenende.
Trotz meinen kritischen Zeilen
war es eine sehr schöne Reise, die ich keinesfalls missen möchte.
Ich war ein Tourist auf der Fahrt
durch eine mir unbekannte Welt! Durch eine Welt die durch die Geschichte in
einem anderen Mass geprägt wurde, als meine Heimat, die Schweiz. Spuren des K&K Österreichisch-Ungarischen
Reiches sind omnipräsent. In Teilen der bereisten Länder ist aber auch die
Vergangenheit unter Osmanischer Herrschaft unübersehbar.
Die zweieinhalb Wochen waren für
mich ein Eintauchen in die Geschichte. Interessant, einen kleinen Einblick in die
Folgen des Ersten, des Zweiten Weltkrieges und der Jugoslawienkriege zu
erhalten. Und die damit verbundenen Konsequenzen für Ethnien, für die
Aufteilung der Länder und die wirtschaftlichen Belange zu erkennen, vor Ort zu
sein und mit Menschen darüber zu sprechen. Vielleicht bietet sich mir die
Möglichkeit, dadurch Situationen in der Gegenwart und der Zukunft besser zu
verstehen.
Nachfolgende Zahlen
veranschaulichen den wirtschaftlichen Stand der Länder:
Land
|
Brutto Sozial Produkt
|
Einwohner
|
Schweiz
|
76‘380$
|
8 Mio
|
Österreich
|
48‘300$
|
8.4 Mio
|
Ungarn
|
12‘730$
|
10 Mio
|
Slowakei
|
16‘070$
|
5.5 Mio
|
Kroatien
|
13‘850$
|
4.4 Mio
|
Serbien
|
5‘680$
|
7.3 Mio
|
Bulgarien
|
6‘550$
|
7.5 Mio
|
Rumänien
|
7‘910$
|
21.4 Mio
|
Es erstaunt deshalb nicht, wenn
ein junger Serbe mir sagt, dass er mit
umgerechnet € 300 gut überleben könne. In den Ballungszentren sind
Industriebauten zu sehen. Ausserhalb dieser Zentren fehlen meist KMU Firmen.
Das Kleinhandwerk dominiert. Es wird interessant sein zu sehen wie sich
diese Länder, die – mit Ausnahme
Serbiens – seit 2004/2007 und Kroatien 2014 Mitglied der EU sind,
weiterentwickeln.


























